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Erster Tag (Samstag, 28.06.08)
Nach 23 Stunden Zugfahrt, wir haben am Vortag den Autozug in Hamburg bestiegen, sind wir um 9:45 Uhr in den Narbonner Bahnhof eingefahren. Anders als in Hamburg befinden sich die Autowagons auf einem separaten Gleis, das man mit dem Bus erreicht. Da nur ein Bus zur Verfügung steht, dauert es ein wenig bis alle Fahrgäste dort angekommen sind und das Abladen beginnen kann. Um 11:00 Uhr schließlich starten wir unsere Fahrt nach Biarritz. Wir haben uns vorgenommen von der Atlantikküste durch die Pyrenäen zum Mittelmeer zu fahren. Da die deutsche Bundesbahn keine Autozüge mehr nach Bordeaux anbietet, blieb nur Narbonne als An- und Abfahrtort. Unser Weg führt uns zunächst nach Carcassonne. Dort in der Nähe der Festung machen wir eine ausgedehnte Mittagspause im "Bloc G", einem Bistro, das scheinbar früher ein Gefängnis war. Der Himmel ist so wunderbar wolkenlos und blau und die Temperaturen so angenehm warm, dass wir nur ungern weiterfahren. Da wir allerdings noch 400 Km vor uns haben, gibt es keine Alternative. Wir fahren wieder auf die Autobahn zunächst in Richtung Toulouse. Ab Toulouse wollen wir bis Biarritz nur noch Strassen zweiter und dritter Ordnung befahren. Die Strassen sind vergleichsweise leer. Erlaubt sind 70 - 90 km/h. Wir fahren 90 - 110 km/h. Die Franzosen tun es ebenso und in den Kurven ist etwas Vorsicht geboten, da die Fahrbahn manchmal vom Gegenverkehr geschnitten wird.
Die Landschaft ist wunderschön und lädt zum Träumen und Cruisen ein. Mich erinnert es an die Toskana, alles sehr hügelig, teilweise mit Weinbergen oder Olivenhainen kultiviert. Landwirtschaft allerorts.
Es ist bereits nach 20:30 Uhr und wir haben auf den Nebenstraßen mehr Zeit verbraucht als erwartet. Die letzten Kilometer vor Biarritz bestreiten wir daher wieder auf der Autobahn. Um 21:00 Uhr kommen wir am Hotel Anjou im Zentrum von Biarritz an. Es dauert ein wenig, bis der Rezeptionist kommt. Zum Glück sind die Zimmer noch nicht anderweitig vergeben. Eigentlich hätten wir bis 19:00h einchecken sollen.
Die Zimmer sind einfach aber völlig ausreichend für eine Nacht. Wir verabreden uns für 22:00 Uhr zum Abendessen. Nach diesem Tag, es war perfektes Wetter, aber eben auch sehr warm, benötigen wir eine Dusche und frische Kleidung, bevor wir wieder unter Menschen gehen. Axel und ich machen einen kleinen Spaziergang durch die Innenstand von Biarritz, das sich in der untergehenden Sonne von seiner besten Seite zeigt. Überall wunderschöne alte Häuser mit schmiedeeisernen Balkonen. Wir essen in einer Pizzeria und gönnen uns eine Flasche Rioja.

Zweiter Tag (Sonntag, 29.06.08)
Nach einem petite dejeuner, einem kleinen Frühstück bestehend aus einem Baguette und einem Croisont beladen wir wieder unsere Maschinen, bezahlen die Hotelrechnung und verlassen Biarritz bei schönstem Wetter, nicht ohne noch einen kurzen Fotostopp einzulegen. Bereits beim Stopp, wenige Kilometer vom Hotel entfernt, sind wir durchgeschwitzt. Es geht durch das Baskenland. Allerdings nur wenige Kilometer später in Saint Jean de Luz hat sich das Wetter deutlich verändert. Jetzt ist es nur noch 21 Grad warm, der Himmel ist stark bewölkt und bei 100 Km/h fühlt sich der Fahrtwind ungewohnt frisch an. Unsere Tagesetappe beträgt nur rund 150 km. Jedoch bewegen wir uns größtenteils auf kleinen Landstraßen, die wohl hauptsächlich für die Landwirtschaft und als Verbindung zwischen den vielen kleinen Dörfern genutzt werden. Auf unserer Straßenkarte sind nicht alle Wege verzeichnet. Aber im GPS sind sie zum Glück vorhanden. Gelegentlich kommen uns andere Motorradfahrer entgegen, die auch die Wege  für sich entdeckt haben. Autofahrer sind abgesehen von wenigen Anwohnern kaum anzutreffen. Mag sein, dass die Ruhe auch vom Sonntag herrührt. Während wir eine Weile die gut ausgebaute N 121a nutzen, die teilweise fast das Ausmaß einer Schnellstrasse hat, passieren wir mehrere Tunnel und gelangen so in ein anderes Tal. Von nun an scheint wieder die Sonne. Wir verlassen die N 121a und befahren wieder kleinere Strassen. Es geht über viele Kilometer bergauf und bergab. Später in Erro wechseln wir von der N 135 auf die N 2330. Die sich nun erschließende Landschaft entlang des kleinen gleichnamigen Flusses Erro ist zunächst felsig und geht dann über in eine wunderschöne sanfte Hügellandschaft, die scheinbar weitgehend landwirtschaftlich genutzt ist und markiert wird von Gutshäusern, die meist hoch auf einem Hügel, das gesamte Gebiet überblickend, thronen. Mein norddeutscher Ursprung lässt unwillkürlich einen Gedanken frei, der eigentlich dem flachen Marschland zugeschrieben wird: Man sieht bereits montags, wer freitags zu Besuch kommt. Wir hingegen kommen bereits um 14:00 Uhr bei unserem Hotel für die kommende Nacht an und bringen schnell die Sachen aufs Zimmer, essen ein Sandwich in der Hotelbar und statten danach Pamplona noch einen zweistündigen Besuch ab.
Pamplona oder auf Baskisch Iruñea ist die Hauptstadt der autonomen Region Navarra. Im Zentrum der Stadt finden sich rund um die Plaza del Castillo viele Cafés von denen wir uns eines aussuchen, um zunächst bei einem Cappuccino den Tag zu genießen. Die Geschichte des Ortes, der am sog. Jacobsweg liegt, geht mehr als 2000 Jahre zurück bis auf die Zeit vor Christi Geburt. Entsprechend viel gäbe es zu besichtigen (Kathedrale, Rathaus Zitadelle…). Wir beschränken uns jedoch auf einen Rundgang durch die Innenstadt.
Anschließend geht es zurück ins Hotel, da heute das Endspiel der Fußball EM ansteht: Deutschland gegen Spanien. Wir wollen nach dem Abendessen das Spiel gemeinsam mit den Spaniern in der Hotelbar auf dem großen Fernseher sehen. Später während des Spiels redet unser Tischnachbar, ein älterer spanischer Herr beharrlich auf uns ein. Leider sprechen wir beide kein Spanisch und so bleibt es bei Vermutungen hinsichtlich Gesprochenem und der manchmal eindeutigeren Zeichensprache. Wie auch immer, alle haben ihren Spaß und Spanien gewinnt verdient mit 1:0. Wir bekommen ein paar mitleidige Blicke und Handdrücke. Fußball verbindet eben doch.

Dritter Tag (Montag, 30.06.08)
Das Frühstück nehmen wir in der Hotelbar zu uns. Es besteht aus Tee oder Kaffee und einem typischen spanischen Sandwich. Wir entscheiden uns für die Variante mit Rührei und Schinken. Elly die Bedienung an der Bar hat eine Zeit lang in Tübingen gelebt und spricht deutsch. Das haben wir schon am Vorabend erfahren und so fällt das Bestellen leicht, denn bei Spanisch müssen Axel und ich passen, so wie die meisten Spanier in dieser Gegend bei der Frage nach dem Englischen.
Um 10:00 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Der Abschied im Hotel Ekai war herzlich. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und empfehlen es gerne jedem, der in der Nähe von Pamplona ein preisgünstiges Hotel (€ 50,-/Nacht inkl. Frühstück) sucht. Vor uns liegen 300 Km, weil wir unser nächstes Übernachtungsziel natürlich nicht direkt sondern über ein paar Umwege ansteuern. Und es fängt nicht ganz einfach an, da ich die Tour mit den Garmin-Karten geplant habe, die im Lieferumfang meines Gerätes enthalten waren. Das ist bereits 3 Jahre alt und seither scheint sich in Spanien einiges geändert zu haben. Jedenfalls endet unsere Straße vor einer Staumauer. Der riesige Stausee, der im Garmin noch als Fluss verzeichnet ist, ist natürlich ein willkommenes Fotoobjekt, die erforderliche Routenänderung nervt aber ein wenig zumal das GPS sehr lange benötigt, um die Alternativroute zu errechnen. Insgesamt werden wir aber mit schöner Natur und vielen Bergdörfern belohnt. Letztere sind wirklich einzigartig an die Felsen geschmiegt. Meist kann man schon von weitem den Kirchturm aus Felsstein und mit flachem Dach sehen. Axel und ich sind uns einig, dass diese Dörfer besonders schön sind. Inzwischen steht die Mittagssonne hoch über uns und die Temperatur ist auf 31°C gestiegen. Wir steuern nun die Schlucht von Arbayún an, die ein Höhepunkt des Tages ist. Danach wollen wir noch die Kloster Monasterio de San Salvador de Leyre und San Juan de la Pena anfahren. Letzteres lassen wir aber letztendlich ausfallen und besichtigen statt dessen die Kirche von Santa Cruz de la Serós. Ein schweres Gewitter hatte sich bereits seit einiger Zeit angekündigt und zwingt uns nun die Regenkombis anzuziehen. Da es nur noch 50 Km bis zum Hotel sind fahren wir trotz starkem Regen weiter. Unser Quartier für diese Nacht hat den klangvollen Namen Tierra des Biescas, ist ein Wellnesshotel und wie ich finde, sehr geschmackvoll eingerichtet. Axel kommentiert das Gesehene mit: „Dir muss es gefallen, ist ja alles sehr modern hier.“ Stimmt.

Vierter Tag (Dienstag, 01.07.08)
Wir sind ein wenig spät dran, als wir um 10:30 Uhr unsere Tagesdistanz von 290 Kilometer starten. Um diese Zeit zeigt das Thermometer bereits stolze 26 °C. Wir folgen der N-260 Richtung Osten vorbei an mehreren kleinen Orten wie Yésero oder Linás de Broto. Die Strecke ist GS-Futter. Zu Beginn noch ganz passabler Asphalt, fahren wir schon nach kurzer Zeit auf Schotter und von Schlaglöchern übersäten Belagresten. Ich persönlich empfinde dies als Abwechslung, da wir so die Möglichkeiten unserer Motorräder ein wenig nutzen und Terrain zu sehen bekommen, das andere Reisende womöglich meiden. Axel, der sich erst vor kurzem eine neue 1200 GS gekauft hat, inspiziert beim ersten Stopp zunächst alle steinschlaggefährdeten Bereiche. Unsere etwas gegensätzlichen Einstellungen zu Gebrauchsgegenständen führen auf unseren Touren immer wieder zu kleinen Witzeleien. Axel, der meine Einstellung zum Motorradputzen unterwegs kennt, fordert mich regelmäßig auf, eine Tankstelle mit Hochdruckreiniger zu suchen. Dies nicht ohne Selbstironie. Ich hingegen fühle mich durch die Abwesenheit von Hochdruckreinigern an spanischen und französischen Tankstellen in meiner Einstellung bestärkt und kann den einen oder anderen Hinweis darauf ebenfalls nicht unterdrücken. Inzwischen sind wir das vierte Jahr gemeinsam unterwegs und lernen immer besser die Macken des anderen mit Humor zu tolerieren.
Bei Sarvise verlassen wir die N-260 und folgen einer in unseren Karten nicht näher bezeichneten Straße in das Valle de Vio. Zu unserem Erstaunen treffen wir auf einen Camper, der sich mit altem VW Passat und Wohnwagen im Schritttempo den Berg hinauf müht. Auf halben Weg zwischen Sarvise und Fanlo halten wir bei einem Aussichtspunkt für eine zweite kurze Pause. Der Blick über das Tal ist gewaltig und reicht gute 240°. In der Ferne liegt auf den Gipfeln noch Schnee während im Tal die Hitze vor den grünen Wäldern flimmert. Inzwischen dürfte das Thermometer die 30°C locker überschritten haben. Wir setzen unsere Fahrt fort und fahren bei Escalona auf die A-138 in nördlicher Richtung, also zur französischen Grenze.
Da Axel neben dem Motorradfahren als zweites Hobby den Radsport hat, müssen wir natürlich auch einen Abstecher in das Gebiet der Tour de France machen. Daher wird unser heutiges Hotel auch auf französischer Seite liegen. Auf der A-138, die auf Französisch D173 heißt, kommen wir etwas zügiger voran und fahren zunächst auf den Col d´Aspin. Die Strecke ist bereits gespickt mit Hinweisschildern auf die in knapp zwei Wochen anstehende Tour de France. Die durch die Fahrer zu bewältigende Steigung ist beeindruckend. Oben angekommen, gibt es ein Stelldichein zwischen dicken Kühen, denn die dort frei umherlaufenden Wiederkäuer umrunden und beschnuppern unsere Motorräder neugierig. Die D918 führt zwar über den Col d´Aspin aber nicht zu unserem Tagesziel und so kehren wir wieder um und fahren nun zum Col de Peyresourde (D618), ebenfalls Teil der Tour de France. Dort befindet sich eine kleine Raststätte. Inzwischen ist es bereits fast 16:00 Uhr und wir beschließen eine längere Pause zu machen, zumal wir seit dem Frühstück nichts gegessen haben und es hier ganz vorzügliche Mini-Crepes gibt. Wir schlagen uns den Bauch voll und flirten ein wenig mit der Bedienung, während plötzlich ein Gewitter aufzieht. Da helfen nur Abwarten und weitere Crepes.
Für die verbleibende Reststrecke von rund 125 Km haben wir nur wenig Aufmerksamkeit, denn der immer wieder einsetzende Regen erfordert volle Konzentration. Gegen 20:30 Uhr schließlich erreichen wir Aulus Les Bains. Dort haben wir uns im Grand Hotel eingebucht. Das klingt zwar nobel, ist aber bei Eintreffen eher ernüchternd. Die  Zimmerschlüssel finden wir herrenlos an der Rezeption. Die Zimmer sind neu und modern eingerichtet. Eher untypisch für ein Hotel ist allerdings, dass man auf einem schmalen Schlafsofa nächtigt, welches man zuvor selbst beziehen muss. Das ist nicht, worauf wir uns ausdrücklich freuen nach 10 Stunden anstrengender Fahrt. Sei es drum, immer noch schneller als ein Zelt aufzubauen. Die Enttäuschung des Tages wartet jedoch noch auf uns. Wir sind nämlich auf der französischen Seite und dort, das lernen wir nun, wird früh zu Abend gegessen. Als wir uns um 21:00 Uhr auf der Suche nach einem Restaurant machen, haben bereits alle geschlossen. Frustriert durchsuchen wir unser Gepäck nach Essbarem. Zum Abendessen gibt es Schokolade und Dosenbier. Na denn Prost und gute Nacht.

Fünfter Tag (Mittwoch, 02.07.08)
Axel und ich haben uns für 9:00 Uhr zum Frühstück verabredet. Leider ist vom Hotel noch niemand anwesend, so dass wir noch einen Augenblick warten müssen, bis jemand kommt und den Frühstücksraum öffnet. Wir bekommen ein typisches französisches Frühstück Tee oder Kaffee und ein paar Croissants. Voilà tout. Um so schneller können wir also wieder starten. Bereits um 10:00 Uhr haben wir das Gepäck verstaut und beginnen unsere Tagesetappe von ca. 270 Km, die uns durch Andorra führt. Unser Zubringer zur gut ausgebauten N20 ist die kleine D8 in östlicher Richtung. Auf der N20 kommen wir etwas später zügig voran und bereits um 11:30 Uhr gelangen wir an die Grenze von Andorra. Der Zoll winkt uns durch und wir fahren gleich in den ersten Ort hinter der Grenze: Pas de la Casa. Da meine Reserveleuchte schon eine Weile brennt, brauchen wir dringend eine Tankstelle. Pas de la Casa wirkt in dieser reizvollen Landschaft reichlich bizarr. Gegensätzlicher könnte es nicht sein, das Aufeinandertreffen von Kommerz und Natur. Der Ort ist eine einzige Leuchtreklame, Elektronikshops und Parfümerien reihen sich aneinander. Dazwischen Restaurants im La-Palma-Stil. Allerdings finden sich in Andorra auch mehrere Läden mit Bekleidung und Zubehör für Motorradfahrer. Wir parken zunächst direkt vor einem solchen Laden und ich erkundige mich nach der nächsten Tankstelle. Bei der Gelegenheit schaue ich mich auch nach einem Paar leichter Handschuhe mit Stulpe um. Bisher bin ich fast ausschließlich mit meinen GS-Handschuhen von BMW gefahren, die ich aufgrund der hervorragenden Passform liebe. Daraus hat sich allerdings bei der brennenden Sonne ein kleines Problem entwickelt. Den diese Handschuhe haben keine Stulpe und daher bleibt immer ein kleiner Spalt zwischen Jacke und Handschuh frei, so dass ich mir inzwischen beide Arme reichlich verbrannt habe. Damit die beiden Streifen, die inzwischen das Stadium eines durchschnittlichen Sonnenbrandes überschritten haben, nicht noch schlimmer werden, investiere ich also in ein paar neue Handschuhe. Danach gehen wir in eines der Touristen-Restaurants, weil es direkt gegenüber liegt und wir so die Motorräder samt Gepäck im Auge haben. Während wir unsere Pizzas essen entfährt Axel plötzlich ein Aufschrei der meiner BMW gilt. Während ich mich für eine Schrecksekunde darauf gefasst mache, dass soeben jemand etwas vom Gepäck gestohlen hat, folgt mein Blick Axels und nun sehe ich es auch. Der Asphalt hat in der Sonne nachgegeben und die GS liegt auf der Seite. Zum Glück hält sich der Schaden in Grenzen. Die Alukiste hat den Stoß abgefangen und ist ein wenig aus der Halterung gesprungen. Das ist später schnell zu richten. Ich stelle die Maschine also zunächst nur auf den Hauptständer, da noch die Pizza warm ist. Nach dem Essen steuern wir direkt die Tankstelle an und verlassen das "Las Vegas" von Andorra.

Um nicht viele Worte auf wenig Interessantes zu verschwenden: Andorra hat uns ziemlich enttäuscht. Es wirkte auf mich ein wie ein Fremdkörper. Wenn man aus den Pyrenäen eines diese Bilderrätsel machen würde, bei denen man erraten muss, was nicht ins Bild gehört, wäre meine Antwort Andorra. Künftig werde ich es fest mit einem 60 Km/h-Verkehrschild assoziieren, da fast die gesamte Strecke durch Andorra auf dieses Limit begrenzt war. Wir erreichen dennoch Katalonien und werden entschädigt mit schönen Pässen entlang der L401 auf unserem Weg nach Berga, wo unser Hotel für die kommende Nacht erbaut wurde. Das Hotel Ciutat de Berga hat eine Tiefgarage in der wir ohne Aufpreis die Motorräder unterstellen dürfen. Die Stadt hat etwas mehr als 16.000 Einwohner und ein Großteil von Ihnen scheint den Abend beim Plausch auf den unzähligen Bänken rund um den Marktplatz zu verbringen. Amtssprache ist hier katalanisch. Wir schlendern durch die Innenstadt und passieren die romanische Kirche Sant Pere aus dem 12. Jahrhundert. Da es schon spät ist und unsere Mägen leer, konzentriert sich unsere Suche allerdings mehr auf Restaurants. Ein Foto muss daher genügen. Unsere Suche nach einem typisch einheimischen Restaurant verläuft allerdings ergebnislos und am Ende begnügen wir uns mit einem chinesischen Restaurant.

Sechster Tag (Donnerstag, 03.07.08)
Unsere Reise durch die Pyrenäen neigt sich leider schon dem Ende, denn von Berga nach Barcelona sind es nur etwa 80 Km und das bedeutet auch, dass wir nicht mehr weit vom Mittelmeer entfernt sind. Bereits am Abend werden wir in Béziers ankommen, einem kleinen Ort in der Nähe von Narbonne. Die Tagesdistanz dorthin beträgt rund 360 Km. Da wir bald das Bergland Kataloniens verlassen werden, um dann entlang der Mittelmeerküste auf gut ausgebauten Straßen zu fahren, sollten 360 Kilometer kein Problem sein. Wir verlassen Berga um 10:30 Uhr bei bedecktem Wetter und fahren die letzten Pässe in den Ausläufern der Pyrenäen, denn unser Weg führt uns bereits östlich Richtung Küste. Entlang der C-26 haben wir ein letztes Mal die Aussicht auf kleine Bergdörfer und raue Felsen. Die darauf folgende N260, die uns zur Küste führt, gehört zu den langweiligsten Streckenabschnitten des Tages und der gesamten Reise. Sie verläuft häufig parallel zur Autobahn. Dann bei Figueras treffen wir auf die Mittelmeerküste, deren Verlauf wir über die N2601 bis nach Frankreich folgen. Dieser Streckenabschnitt ist wieder sehr reizvoll, da die Gebirgsausläufer bis an die Küste reichen und wir von oben einen herrlichen Ausblick auf die kleinen Küstenorte wie Ceres oder Port Vendres haben. Schnell macht sich jedoch bemerkbar, dass auch die Franzosen gerade Ferien haben, denn die Strasse entlang der Küste ist zunehmend verstopft und wir verlieren viel Zeit durch den Stop and Go Verkehr. Daher ändern wir bei Le Barcarès unseren Plan für den letzten Streckenabschnitt und fahren auf die mautpflichtige Autobahn. Wie schon auf der Hinreise weht auf diesem Autobahnabschnitt ein kräftiger Wind und wir kämpfen mit jeder Böe, um nicht auf die benachbarte Spur geweht zu werden. Nach einigen Kilometern sehen wir auf der Gegenspur einen LKW, der offensichtlich von einer Böe erfasst und umgekippt wurde. Bei solchen Windstärken wird Motorradfahren zum Survival-Training. In Béziers suchen wir die Pension Las Cigalas, wo wir uns dieses Mal für zwei Nächte eingebucht haben. Denn am siebenten Tag unserer Reise wollen wir in Béziers und Narbonne entspannen.

Achter Tag (Samstag, 05.07.08)
Wir sind pünktlich in Narbonne, bereit für die Verladung. Die Sonne brennt heiß, denn es ist 14:30 Uhr. Erwartungsgemäß läuft die Abfertigung etwas chaotisch ab. Die Auffahrrampe für die Wagons steht noch nicht bereit und wir schmoren in der Sonne. Dann endlich ist es geschafft, aber bis zur Abfahrt dauert es noch mehr als 2,5 Stunden. Wir flüchten uns in ein Bahnhofsbistro und nach der Schlepperei, der Verladebahnhof liegt abseits der gewöhnlichen Bahnsteige, trinke ich einen Liter Mineralwasser. Axel hat gehört, dass der Speisewagen aufgrund technischer Probleme nicht funktionieren wird. Die Klimaanlage sei ausgefallen, heißt es. Anbetracht dessen macht er sich auf den Weg, um einen Laden zu finden und etwas Baguette und Rotwein zu kaufen. Eine halbe Stunde später ist er zurück mit zwei vollen Tragetaschen: Baguette, Wein, Salami sowie Wasser. Wir werden nicht verhungern, soviel steht fest.
Um 17:00 Uhr können wir endlich den Zug besteigen. Eine dreiviertel Stunde später rollen wir aus dem Bahnhof und ich fange an meine Eindrücke und Gedanken zu sortieren. Da ich mir angewöhnt habe, ein kleines, inzwischen 8 Jahre altes Notebook mit auf Reisen zu nehmen, habe ich viele Eindrücke bereits jeweils abends kurz zusammen gefasst. Meine Hoffnung, dass dieses Mal der Strom im Abteil funktioniert (die Akkus sind schon seit Jahren hinüber), bestätigt sich leider nicht. Sei es drum, der Zug rollt in der Abendsonne, ich mache meine letzten Notizen auf Papier und im iPod läuft das neue Album der Counting Crows. Kann eine gelungene Reise besser enden?

Allgemeines

Es empfiehlt sich, aktuelle Karten für das GPS zu verwenden, sofern es das Budget erlaubt. In den Pyrenäen scheint zumindest auf der spanischen Seite viel Straßenbau betrieben zu werden. Generell sind die Straßen auf der spanischen Seite in besserem Zustand.

Englisch wird auf beiden Seiten gleichermaßen wenig gesprochen. Grundkenntnisse in Spanisch und Französisch sind von Vorteil.

Wer sich wie wir auf vielen Nebenstraßen bewegt, sollte rechtzeitig tanken, da die Distanz zur nächsten Tankstelle schnell unnötig an den Nerven zerrt.

Wir haben zusätzlich die Pyrenäenkarte aus dem Reise Know How-Verlag verwendet (1:250.000) und mussten die Erfahrung machen, dass die Wege, die auf dem GPS vorliegen, häufig auf dieser Karte fehlten. Zudem war eine Sehenswürdigkeit (Foz de Lumbier) falsch eingezeichnet. Eventuell empfiehlt es sich vor Ort mit genaueren Karten zu versorgen. Wer sich bevorzugt schneller auf ausgebauten Straßen bewegt, ist mit dieser Karte sehr gut bedient. Ich empfehle in jeden Fall, einen Kompass ins Kartenfach des Tankrucksacks zu legen. Gerade beim Stoppen unmittelbar nach einer Richtungsänderung (nicht untypisch für Serpentinen) habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Garmin GPS nicht immer sofort die richtige Himmelsrichtung anzeigt. Da empfiehlt sich der Vergleich mit dem Kompass, bevor eine neu Richtung eingeschlagen wird.

Wir haben in Hotels übernachtet, die wir vorab über das Internet gebucht hatten. Bei unseren Tagesdistanzen von 250-300 Km ist diese Vorgehensweise sinnvoll, um langes Suchen in den Abendstunden zu vermeiden. Die Preise für einfache, aber passable Hotels bewegten sich zwischen € 40,- und 60,-. In Frankreich sind die Preise meist ohne Frühstück zu verstehen. In Spanien war es mal inklusive mal "on top". Ein separates Frühstück liegt zwischen € 6,- und 8,-. Generell gilt bei gleichem Preisniveau für den Zustand des Hotelzimmers das bereits Gesagte für den Straßenzustand: In Spanien schläft man für gleiches Geld besser.

Eckdaten:
Reisedauer inkl. An-/Abfahrt 10 Tage,
Gesamtstrecke (ohne An-/Abreise) ca. 1.950 km,
An- und Abreise von/nach Hamburg/Narbonne mit dem Autoreisezug im Liegewagen etwa ab € 725,-pro Person mit Motorrad

Hotelempfehlungen
Empfehlenswert waren:

Hotel Anjou
18, Rue Gambetta
Biarritz, 64200
Frankreich
Telefon +33 (0) 5 59 24 00 93
E-Mail hotel.anjou@free.fr
Web www.hotel-anjou-biarritz.federal-hotel.com

 

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Carcassonne

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Biarritz

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Biarritz

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Biarritz

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Pamplona

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Foz de Arbayún

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Santa Cruz de la Serós

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Hotel Tierra des Biescas

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N-260 bei Linás de Broto

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Valle de Vio

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Kuhtreffen auf dem Col d´Àspin

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Vegas auf dem Berg - enttäuschendes Andorra

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Entlang der L401 in Katalonien

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Blick auf Berga

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Spaziergang durch Berga

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Entlang der Carretera C-26 in Katalonien

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Französische Mittelmeerküste bei Cerbere am Golfe du Lion

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Pension in Béziers mit Parkplatz im Hof

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Béziers

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Narbonne

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Hotel Ekai
Ctra De Aoiz S/N
Ecay-Aoiz, 31481
Spanien
Telefon +34948334153
Fax +34948334153
E-Mail hotelekai@hotelekai.com
Web www.hotelekai.com

Tierra De Biescas
Paseo del Canal , S/N
Biescas, 22630
Spanien
Telefon +34974485483
Fax +34974485342
E-Mail admon@hoteltierradebiescas.com

HC Ciutat De Berga
Passeig de la Industria 11
Berga , 08600
Spanien
Telefon +34 93 821 44 22
Fax +34938214323
E-Mail hcberga@hostalets.com

Las Cigalas
28 boulevard Gambetta
Villeneuve les Béziers, 34420
Frankreich
Telefon +33 (0) 4 67 39 45 28
E-Mail info@lascigalas.com
Web www.lascigalas.com

 

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